Chronik

Die „Möllner Turnerschaft von 1884“ und der aus ihr hervorgegangene „Möllner Ruder-Club e.V.“ können 1984 auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken, ein Grund zum Feiern und zu einem Rückblick auf ihren Werdegang, der auch, wie die Geschichte eines jeden Möllner Vereins, ein Stück Möllner Stadtgeschichte ist.
Die Vorgängerin der „Möllner Turnerschaft von 1884“ ist die von dem Möllner Lehrer Könike gegründete „Möllner Turnerschaft von 1845“, die sich nicht nur für die körperliche Ertüchtigung der Jugend im Sinne des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn einsetzte, sondern auch nationalpolitische Ziele verfolgte, indem sie unter den Farben „schwarz-rot-gold“ für „Einigkeit und Recht und Freiheit“ in dem damals aus vielen Einzelstaaten bestehenden deutschen Vaterland eintrat. Das war zu der Zeit, als der König von Dänemark noch Herzog in Lauenburg war, kein gefahrloses Unternehmen. Das Singen deutscher patriotischer Lieder und das Tragen deutscher Farben wurden unterdrückt.
Nachdem Tode ihres Gründers ging der Turnbetrieb in der „Turnerschaft von 1845“ merklich zurück. Daraufhin gründeten einige Interessierte am 1. Juli 1862 einen neuen Verein, den „Möllner Männer-Turnverein“, der infolge seiner Aktivitäten ständig an Mitgliedern zunahm, während die „Möllner Turnerschaft von 1884“ ständig Mitglieder verlor. Noch im gleichen Jahr, am 12. November 1862, gelang es dem Möllner Arzt Dr. Franz Kleinmann den Rest der Turnerschaft mit dem neugegründeten Männer-Turnverein zu vereinigen. Damit hörte die Turnerschaft auf zu bestehen.
Im Jahre 1884 müssen einige Mitglieder mit dem Männer-Turnverein und seinem Vorstand nicht zufrieden gewesen sein. Sie traten aus und gründeten einen neuen Verein, die „Möllner Turnerschaft von 1884“. Über die Gründung schrieb der Gründer, Lehrer H. Böttcher, in der Vereinszeitung 1929: „Nach dem Turnfest des Männer-Turnvereins von 1862 auf dem ‚Doktorhof‘ im Jahre 1884 kamen vor allem einige junge Kaufleute zu mir und baten, die Gründung eines neuen Turnvereins in die Hand nehmen zu wollen. Ich bat um einen Tag Bedenkzeit und habe dann einen Aufruf in der ‚Möllner Zeitung‘ erlassen und zu einer Versammlung im ‚Deutschen Haus‘ eingeladen. Die Versammlung war reichlich besucht. Nach der Begrüßung und einem Vortrag wurde einstimmig die Gründung eines neuen Turnvereins unter dem Namen „Möllner Turnerschaft von 1884″ beschlossen. In den Vorstand, der auch die Statuten ausarbeiten sollte, wurden gewählt:
1. Vorsitzender: H. Thomann, Färbereibesitzer.
2. Vorsitzender und Schriftführer: Adolf Kreutzfeld, Gerichtsvollzieher.
Kassenwart: August Greßmann, Sparkassenrendant.
1. Turnwart: H. Böttcher, Lehrer.
2. Turnwart: Johs. Henckel, Schuhmachermeister
Zum Vereinslokal wurde der ‚Schützenhot1 bestimmt, wo auch die Turnübungen an sehr eintachen Geräten, die von Zimmermeister Schlie geliefert worden waren, stattfanden. Die Leitung der turnerischen Übungen übernahm H. Böttcher, die der Freiübungen Johs. Henckel. Nach einem Jahr zog man in die ‚Harmonie‘, wo man viele Jahrzehnte blieb. Im zweiten Jahr ihres Bestehens erfolgte die Aufnahme in den ‚Trave-Turngau‘. 1888 bekam sie eine Fahne. Die Mittel dafür waren zum größten Teil durch Spenden aufgebracht worden. Die Einweihung derselben fand am 4. März 1888 unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt.“
Die Farben der „Möllner Turnerschaft von 1884“ waren, zumindest in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens, „schwarz-rot-gold“. Damit hielt sie bewußt die Tradition zur „Turnerschaft von 1845“ aufrecht. Jede Mitgliedskarte trug sie als Querband.
In der Bevölkerung fand die Turnerschaft großen Anklang. Ihre Mitgliederzahl nahm schnell zu. Die Turnabende wurden gut besucht. Einen Rückschlag erlitt sie 1893 durch die Gründung des „Möllner Radsportvereins“, dem viele ihrer Mitglieder beitraten. In derselben Zeit bildete sich aus der Turnerschaft heraus ein „Athletenclub“, der Ringen, Boxen und Gewichtheben betrieb. In dieser Zeit wechselten viele Mitglieder ihre Vereine.
Im März 1902 übergab sie dem Magistrat eine Denkschrift, in der sie um den Bau einer städtischen Turnhalle bat und im April 1903 eine Zeichnung nebst Kostenanschlag für dieselbe. Beides hatte sie auf eigene Kosten anfertigen lassen. Die Turnhalle wurde gebaut. Als sie am 5. November 1905 feierlich eingeweiht wurde, schenkte sie der Stadt sämtliche ihr bis dahin gehörigen Turngeräte, bat dabei allerdings, die Hallenmiete ihren Kassenverhältnissen entsprechend nicht zu hoch ansetzen zu wollen. Sie wurde auf 100 Mark (Goldmark) jährlich festgesetzt und blieb trotz mehrfacher Einsprüche auf dieser Höhe. Dafür durfte sie die Halle jeden Mittwoch und Freitag von 8.30 – 10 Uhr abends benutzen.
Ein in Mölln gegründeter „Damen-Turnverein“ wurde 1906 als „Damenriege“ übernommen und für ihre Übungen 30 Keulen angeschafft. Bei Vorführungen auf den Festen betätigten sich die Damen mit Keulenschwingen.
An den Veranstaltungen des „Trave-Turngaues“ nahm die Möllner Turnerschaft regelmäßig teil, auch dann, wenn die Fahrten zum Festort recht umständlich waren. Beispiel: Zum Gauturnfest 1905 in Rehna (Mecklenburg) fuhren die Teilnehmer mit einem Pferdefuhrwerk. Abfahrt in Mölln am Sonnabend vor dem Fest um 14 Uhr, am Sonntag Teilnahme an den turnerischen Vorführungen und Wettkämpfen und am Abend am Festball. Rückfahrt von Rehna am Montag morgen um 1 Uhr. Nur Idealisten konnten die Strapazen einer solchen Reise auf sich nehmen.
Die Turnerschaft turnte, spielte und wanderte nicht nur, sondern pflegte auch Geselligkeit und Kameradschaft. Im März eines jeden Jahres wurde das Stiftungsfest gefeiert und jede Gelegenheit zu kameradschaftlichem Beisammensein gesucht und genutzt. Beispiel; Anläßlich der Einziehung von fünf Turnbrüdern zu den Soldaten, wurde im September 1906 ein Abschiedskommers veranstaltet, zu dem die Vereinskasse 50 Liter Freibier bewilligte.

1913 ließ das Interesse am Geräteturnen, das bisher im Mittelpunkt des Vereinslebens stand, merklich nach. Dafür nahm das Interesse, besonders der Jugend, an Sport und Spiel zu. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, gründete die Turnerschaft eine Sport- und Spielabteilung, die aber nie recht in Schwung kam, dafür vorübergehend zu einem gespannten Verhältnis zu dem 1912 gegründeten „Möllner Sportverein“ führte.
Im Ersten Weltkrieg kam der Turnbetrieb ganz zum Erliegen. Die meisten Männer waren im Felde. Um die Verbindung zu ihnen aufrecht zu halten, erhielten sie regelmäßig Feldpostpäckchen.
Auch nach Kriegsende kam das Geräteturnen nicht recht voran. Dafür wurde „König Fußball“ zur großen Mode. Resigniert stellte die Monatsversammlung am 31. März 1921 fest, daß „die Gründung einer Jugendabteilung nur unter Anschaffung eines Fußballes möglich sei“. In demselben Jahr regte der „Sportverein von 1912“ eine Verschmelzung beider Vereine an, die aber von der Turnerschaft wegen Streitigkeiten zwischen den übergeordneten Verbänden – „Deutsche Turnerschaft“ und „Norddeutscher Fußballverband“ – abgelehnt wurde.
Neues Leben kam in die Turnerschaft durch den an den hiesigen Schulen tätigen und an der Preußischen Hochschule für Leibesübungen in Spandau zum Turn- und Sportlehrer ausgebildeten Lehrer Victor John. Er übernahm 1926 die Leitung sämtlicher Abteilungen und führte neuzeitliche Leibesübungen ein. Unterstützt wurde er durch seine Frau Gertrud, die ebenfalls in Spandau zur Turn- und Sportlehrerin ausgebildet worden war und die Frauen- und Mädchenabteilungen übernahm. Die Folge war ein reger Besuch der Übungsabende in sämtlichen Abteilungen und ein Ansteigen der Mitgliederzahl von 94 zu Beginn des Jahres 1927 auf 207 am Schluß des Jahres. Der Höchststand wurde 1935 mit 420 Mitgliedern erreicht. John war überall gerne gesehen. Er war wohl damals der beste Turn- und Sportlehrer für Breitenarbeit im Lande. Unter seiner sportlichen Leitung erlebte die Turnerschaft eine bis dahin nicht gekannte Blütezeit in allen Abteilungen: Turnen, Leichtathletik, Gymnastik, Schlagball, Handball, Faustball, Tennis und Rudern. Seine Arbeit trug reiche Früchte. Bei Wettkämpfen belegten Möllner Turnerschaftler stets gute Plätze. 1937 ging er nach Bayreuth. Aus dem Krieg kam er nicht zurück. Er ist 1940 gefallen.

Bootshauseinweihung 1928

Bootshauseinweihung 1928.

Ein langgehegter Wunsch der Turnerschaft ging 1927/28 in Erfüllung: Bau eines Bootshauses auf dem Sumpfgelände zwischen Ziegelsee und Bahndamm. Das Grundstück stellte die Stadt zur Verfügung. Die Finanzierung geschah durch Spenden, Beihilfen und ein Darlehen. Die Mitglieder beteiligten sich am Bau durch Eigenarbeit. Das Bootshaus wurde an den Abenden und am Wochenende zum Sammelpunkt der Jugendlichen.

Für die Ruderer wurde bei einer Berliner Rennbootfirma ein Gig-Vierer bestellt, der damals schon über 2.000 Mark kostete, die durch Spenden aufgebracht wurden. Er wurde auf den Namen „Jahn“ getauft und diente Jahrzehnte als Trainingsboot. Die Mitglieder konnten ihre Privatboote gegen eine geringe Gebühr im Bootshaus unterbringen.
Im Frühjahr 1927 kam es zur Gründung einer Tennisabteilung. Da sie keinen eigenen Platz besaß, gestattete ihr der „Möllner Tennisclub von 1889“ gegen eine geringe Gebühr die Benutzung seines Platzes. 1932 beschloß die Turnerschaft den Bau eigener Plätze neben dem Bootshaus. Das Gelände stellte die Stadt zur Verfügung. Zur Finanzierung wurden an die Interessenten Anteilscheine ausgegeben und zum Bau beim Arbeitsamt der Einsatz des „Freiwilligen Arbeitsdienstes“ beantragt und auch bewilligt. Die Mitglieder beteiligten sich durch Eigenarbeit. Die Fertigstellung verzögerte sich, weil eine genügende Ablagerung des auf dem Sumpfgelände aufgeschütteten Bodens abgewartet werden musste und geeignete Schlacke nicht rechtzeitig eintraf. Erst am 24.725. August 1935 konnte der Platz eingeweiht werden. Der Tennis-Club von 1889 schloss sich korporativ der Turnerschaft an.

Das erste Boot

Das erste Boot.

1929 wurde eine Vereinszeitung herausgegeben, die aber nach zwei Jahren wieder einging und durch Mitteilungsblätter ersetzt wurde.
Grundlegende Änderungen in sportlichen Organisationen brachte 1933 das nationalsozialistische Regime. Wie alle Arbeitervereinigungen wurde auch der „Möllner Arbeiter-Turn- und Sportverein“ verboten und sein Vermögen beschlagnahmt. Den übrigen Möllner Turn- und Sportvereinen wurde nahegelegt, sich zu einem Verein zusammenzuschließen. Zwischen dem „Männer-Turnverein von 1862“ und der „Turnerschaft von 1884“ kam es zu Verhandlungen, die zunächst Erfolg versprachen, aber dann ergebnislos blieben. Durch den Zusammenschluß wäre die Leistungsfähigkeit des neuen Vereins gestärkt und der Wettstreit zwischen beiden mit den nicht immer’angenehmen Begleiterscheinungen beendet worden. So berichtet es das Protokollbuch der Turnerschaft.
Der neue Verein sollte auf Vorschlag der Turnerschaft den Namen „Turnerschaft von 1862 e.V. Mölln i. Lbg.“ führen, weil sie als führender Möllner Turnverein etwa 2/3 bis 3/4 der Mitglieder stellen und außerdem noch „verzinslichen Besitz“ im Werte von etwa 6.000 Mark mitbringen würde. Aus dem Zusammenschluß wurde nichts. Dafür schlössen sich der „Männer-Turnverein von 1862“ und der „Sportverein von 1912“ zum „Möllner Turn- und Sportverein von 1862“ zusammen. Die Turnerschaft wurde aufgefordert, dem neuen Verein beizutreten, hielt aber „einen übereilten Anschluß nicht für nützlich“.
Nicht nur bei den Vereinen, sondern auch bei ihren übergeordneten Organisationen traten Änderungen ein. Sie wurden aufgelöst und dafür der „Reichsbund für Leibesübungen“ unter dem „Reichssportführer“ eingesetzt. Dieser ordnete zum 1. Dezember 1936 die Auflösung sämtlicher Jugendabteilungen in den Turn- und Sportvereinen und ihre Überführung in die nationalsozialistischen Organisationen „Jungvolk“ und „Hitler-Jugend“ an. Das war ein schwerer Schlag für die Vereine. Sie verloren nicht nur ihren Nachwuchs, sondern hatten auch durch die entstandenen Beitragsverluste und eine Erhöhung der Beiträge an den Reichsbund für Leibesübungen finanzielle Einbußen.
Im Zweiten Weltkrieg kam jede sportliche Betätigung zum Erliegen. Nach Kriegsende löste die alliierte Militärregierung alle deutschen Vereine und Verbände auf und beschlagnahmte ihr Vermögen. Eine Wiederzulassung wurde von ihrer Genehmigung und einer nach demokratischen Grundsätzen aufgestellten Satzung abhängig gemacht.
Die ersten Zulassungen erfolgten 1946. Dazu gehörte der „Möllner Turn- und Sportverein von 1862“. Seinem Vorsitzenden, Wilhelm Steinfatt, gelang es, die „Möllner Turnerschaft von 1884“ zu bewegen, sich diesem anzuschließen. Das war für sie ein notwendiger Schritt, waren doch ihr Bootshaus und ihre Boote von den örtlichen britischen Besatzungstruppen zur eigenen Benutzung beschlagnahmt worden. Nach ihrem Abzug übergaben sie das Bootshaus der deutschen Wasserschutzpolizei, die es aber erst nach Drohung mit einem Prozeß 1951 räumte. Der Gig-Vierer war nach dem Abzug der Besatzer dem Turn- und Sportverein von 1862 übergeben worden, die ihn aber dem rechtmäßigen Besitzer nach seiner Wiederzulassung ohne Schwierigkeiten zurückgab.
Nach Ausarbeitung einer neuen Satzung stellten Mitglieder des alten Turnerschaftsvorstandes am 28. Mai 1948 bei der Militärregierung den Antrag auf Wiederzulassung. Die Antwort ließ lange auf sich warten. Erst am 15. Februar 1950 konnte die erste öffentliche Zusammenkunft von ehemaligen Mitgliedern stattfinden und den 50 Erschienenen mitgeteilt werden, daß endlich die langersehnte Lizenz eingetroffen sei und mit frohem Mut an die Arbeit herangegangen werden kann. Bald darauf fand die erste Hauptversammlung statt und wenig später die Aufhebung der Vermögenssperre. Auch nach der Wiederzulassung nahmen die Schwierigkeiten kein Ende. Turn- und Sportgeräte waren nicht mehr vorhanden, auch eine Turnhalle fehlte. Die städtische Turnhalle war wegen der übergroßen Zahl von Schülern in den Möllner Schulen zu Klassenzimmern umgebaut worden. In dieser Notlage stellte Turnbruder Friedrich-Wilhelm Koops uneigennützig den Boden eines Stalles in der Hauptstraße zum Ausbau als Turnhalle zur Verfügung. Im Sommer 1951 konnte hier mit dem Turnen, auch für andere Interessenten, begonnen werden.

Bau des neuen Bootshauses

Bau des neuen Bootshauses.

In den fünfziger Jahren erlahmte in der Turnerschaft das Interesse an einigen bisher betriebenen Sportarten, während andere sich wieder eines größeren Zuspruchs erfreuen konnten und sogar neue Abteilungen gegründet wurden. Die Turnabende der Männer wurden kläglich besucht, während es bei den Frauen keine Probleme gab. Letztere erstellten in mühevoller Arbeit eine Vereinsfahne, die am 6. März 1955 geweiht und übergeben wurde.
1952 vereinbarte die Turnerschaft mit dem korporativ angeschlossenen Tennis-Club und mit der Stadt, daß sich die beiden Vereine trennen und die Stadt den Grund und Boden der vorhandenen Tennisplätze dem Tennis-Club unentgeltlich für 30 Jahre zur Verfügung stellt, dazu noch Grund und Boden für zwei neu anzulegende Plätze. Für die bestehenden Plätze zahlte der Tennis-Club der Turnerschaft eine Abfindung von 7.000 DM.
Die Tischtennis-Abteilung machte sich 1954 selbständig.
Eine 1956 gegründete Fecht-Abteilung erfreute sich regen Zuspruchs und konnte auf manchem Turnier Erfolge buchen, sich aber nur bis 1962 halten.
Auf Antrag des Ruderwartes Paul Abel beschloß die Jahreshauptversammlung am 22. Februar 1956 den Bau eines massiven Bootshauses, dessen Finanzierung – etwa 39.000 DM – durch Unterstützung der Stadt, des Kreises und des Sportföderungsausschusses, aber auch durch Eigenmittel und Eigenarbeit geschehen sollte. Die Mitglieder der Ruder-Riege wurden zu einem Arbeitsdienst von je 20 Stunden verpflichtet. Drückeberger hatten für jede nicht geleistete Stunde eine Mark zu zahlen.

Den Grund und Boden gab die Stadt der Turnerschaft in Erbpacht, aber nur unter der Bedingung, der städtischen Realschule Bootsplätze zur Verfügung zu stellen. Die Verhandlungen darüberzogen sich in die Länge. Schließlich legte man vertraglich fest, daß die Turnerschaft das etwa einen halben Morgen große Gelände auf 99 Jahre in Erbpacht erhält und dafür pro Quadratmeter jährlich einen Pfennig, insgesamt 12,47 DM, zu zahlen hat. Für diesen niedrigen Erbzins hatte sie der Schule vier Bootsplätze und die Benutzung der Umkleideräume und der Steganlagen 30 Jahre lang unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.
Am 7. Mai 1958 konnte das Bootshaus in Gegenwart vieler Gäste feierlich eingeweiht werden und eine Woche später dort die erste Jahreshauptversammlung stattfinden. 1959 wurde ein Vollkonzessionierter Kantinenbetrieb eingerichtet.
1981 gab der Tennis-Club seine Tennisplätze auf. Daraufhin konnte der Ruder-Club sein Gelände nochmals erweitern.
Während nach der Neuzulassung der Turnerschaft 1950 in einzelnen Abteilungen die Mitgliederzahlen dauernd zurückgingen, nahm sie in der Ruderriege dank ihrer Aktivitäten ständig zu. Schon im Juli 1950 konnte eine Kurzstreckenregatta mit sechs Rennen und Booten aus Lauenburg, Hamburg und Lübeck veranstaltet werden. 1951 kam auf Einladung der Vorsitzende der Rudergesellschaft Lauenburg nach Mölln, um eine Altherrenschaft ins Leben zu rufen und um finanzkräftige Leute zur Stiftung eines Bootes anzuregen. Im Februar 1952 schlug Paul Abel die Selbstverwaltung der Ruderriege, die fortan den Namen „Ruderriege der Möllner Turnerschaft von 1884 e.V.“ führen soll, vor. Als Widerspruch erhoben wurde, versicherte er, dass er niemals daran denke, sich jemals von der Turnerschaft zu trennen. Daraufhin wurde der Antrag genehmigt. In Anbetracht ihrer Aufwärtsentwicklung wurde 1955 beschlossen: „Der Vorstand der Ruderriege geht in den Vorstand der Turnerschaft auf“. Der Ruderwart wurde 2. Vorsitzender der Turnerschaft. Später kam der Fechtwart als 3. Vorsitzender hinzu.
1954 kamen durch eine Sammlung der Ruderriege 3.800 DM zusammen, für die zwei Boote – „Berlin“ und „Stecknitz“ – angeschafft wurden. Immer mehr Boote kamen hinzu, so dass man im August 1962 auf die stolze Zahl von 14 Booten blicken konnte.
Bald nach dem Aufblühen der Ruderriege und dem Rückgang anderer Abteilungen setzten Bestrebungen ein, den Namen „Möllner Turnerschaft“ zu ändern. Auf der Jahreshauptversammlung 1962 wurden als neue Namen vorgeschlagen: „Möllner Ruderclub e.V.“ oder „Möllner Ruder- und Fechtclub“. Die Namensänderung wurde von ihren Befürwortern wie folgt begründet:
1. Der jetzige Name entspricht nicht mehr den Tatsachen und gibt Außenstehenden ein falsches Bild von der jetzigen Betätigung der Turnerschaft.
2. Der Name verbindet uns automatisch mit Verbänden, mit denen wir nichts mehr zu tun haben, durch die wir aber mit Berichten, Statistiken und Beiträgen belastet sind.

3. Mölln hat genug Turn- und Sportvereine, braucht aber einen speziellen Ruderclub. Die Gegner der Namensänderung brachten folgende Gründe vor:
1. Alle Möllner Bürger haben einst die Turnerschaft mit Spenden gefördert, würden es aber in Zukunft unterlassen, da sie kein Verständnis für eine Namensänderung aufbringen.
2. Die „Turnerschaft“ hat die Ruderriege erst mit dem Bau der Bootshäuser aufgebaut.
Die Namensänderung wurde mit 41 gegen 16 Stimmen bei 6 Enthaltungen abgelehnt. Auf Antrag
erhielt die Satzung erschwerende Bestimmungen für eine Namensänderung.
Gymnastikriege der Frauen

Gymnastikriege der Frauen

Gymnastikriege der Frauen.

Die Namensänderer ließen keine Ruhe. Acht Jahre später, auf der Jahreshauptversammlung am 20. Februar 1970 beantragten sie erneut eine Namensänderung und schlugen vor „Möllner Ruder-Club e.V. vormals Möllner Turnerschaft v. 1884“. Das war ein tragbarer Kompromissvorschlag, der angenommen und auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20. März 1970 bestätigt wurde. Eine Reihe von Austritten alter Mitglieder war die Folge. Nur die Gymnastikriege der Frauen, die heute noch sehr aktiv ist, blieb bestehen. Als neue Riege kam 1982 die „Aerobic-Gruppe“ für Frauen hinzu.

Der Ruder-Club zeigte auf allen Gebieten eine stete Aufwärtsentwicklung. Die Zahl der Mitglieder stieg und steigt noch, vor allen Dingen in den Jugendabteilungnen. So hatten im Januar 1973 von 188 Gesamtmitgliedern 103, also mehr als die Hälfte, das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet. Sie fühlen sich hier wohl und erblicken im Rudern eine sinnvolle Freizeitgestaltung und körperliche Betätigung.
Jahr für Jahr beteiligten sich die Ruderer mit Erfolg an vielen Regatten. So konnten im Jahre 1977 auf 10 Regatten 44 Siege errungen werden. Auf dem Kanal wurden im Auftrag des Verbandes Langstrecken-Regatten organisiert, an denen sich 1977 15 norddeutsche Vereine beteiligten. Beliebt sind die Wanderfahrten. Die dort geruderten Kilometer nahmen von Jahr zu Jahr zu, 1980 39.181 km.

Anläßlich seines 100jährigen Bestehens 1983 schrieb der Deutsche Ruderverband einen Jubiläumswettbewerb aus: „Die Goldene Hundert“. Jedes Mitglied, das in der Zeit vom 8. Mai bis zum 30. September 1983 mindestens 100 Kilometer ruderte, bekam eine Jubiläumsnadel. Im Möllner Ruder-Club wurde diese Bedingung von 93 Ruderern und Ruderinnen erfüllt, die zusammen 45.738 km ruderten. Die beste Einzelleistung waren 1.853 km. Rudern ist nicht nur ein Leistungssport, sondern ein Breitensport. Der Club besaß im Jahre 1980 29 Boote mit 81 Bootsplätzen.
Neben der sportlichen Betätigung kommt auch, wie bei der früheren Turnerschaft, die Pflege von Geselligkeit und Kameradschaft nicht zu kurz. Dafür sorgen Sommerfeste, Faschingsfeste, Heringsessen, Spanferkelessen, Preisskat u.a.
Wir wünschen dem „Möllner Ruder-Club e.V., vormals Möllner Turnerschaft von 1884“ für die nächsten 100 Jahre weiteres Blühen und Erfolg bei allen seinen Unternehmungen.

Otto Rackmann

Die Fahne der Möllner Turnerschaft v. 1884

Die Fahne der Möllner Turnerschaft v. 1884.